Wie beeinflussen Emotionen unser Lernen?

Sprachenlernen und Emotionen

Aber ich glaube, dass diese kleine Anekdote eine wichtige Botschaft für das Lernen von Sprachen enthält: Emotionen sind die Katalysatoren des Sprachenlernens. Das Beispiel von oben zeigt uns, dass es uns motiviert, etwas zu lernen, was uns einem Menschen, den wir lieben, bewundern, mögen oder zumindest attraktiv finden, näher bringt: Wenn ein Deutscher sich in eine Spanierin verliebt, wird er sehr motiviert sein, Spanisch zu lernen und wenn eine Schwedin sich in einen Italiener verliebt, wird sie sich große Mühe geben, Italienisch zu lernen.

Leider kennen auch viele den gegenteiligen Effekt: Die Lehrkraft, die uns in Latein unterrichtet, ist uns so unsympathisch, dass wir überhaupt keine Lust mehr haben, weiter zu lernen oder unsere Lektüre in Englisch ist so langweilig, dass wir den ganzen Spaß an der Sache verlieren.

Also gut: Emotionen können lernförderlich sein oder dem Lernen im Wege stehen. Was können wir jetzt mit dieser Erkenntnis anfangen? Haben wir einfach Glück gehabt, wenn wir uns für eine Sprache begeistern können und Pech, wenn wir uns dabei langweilen?

Nein. Zunächst einmal erklärt es, warum so wenige Menschen es schaffen, nur mit einer Lernsoftware erfolgreich eine Sprache zu lernen. Zu einem Computer kann man keine Beziehung aufbauen. Lernen mit einer Software ist viel zu nüchtern. In einem Sprachkurs dagegen können wir mit dem Trainer und ggf. mit den anderen Teilnehmern in Beziehung treten. Das alleine hilft schon beim Lernen. Natürlich kann sich nicht jeder ein Herzblatt mit der entsprechenden Muttersprache zulegen, aber es gibt andere Wege, Emotionen für erfolgreiches Sprachenlernen einzusetzen.

Unsere Tipps

Wichtig ist immer, dass die Texte, die wir in der Fremdsprache lesen oder hören, für uns relevant sind. Wir sollten daher im Kurs der Lehrperson erklären, wo unsere Interessen liegen und auch uns selbst darüber klar werden, warum und wozu wir eine Sprache eigentlich lernen wollen. Außerdem sollte das, was wir in einer Fremdsprache lernen, immer auf unser eigenes Leben bezogen werden. Der Fokus sollte nicht sein, dass wir eine bestimmte grammatische Struktur lernen, sondern, dass wir lernen, etwas mit Sprache zu tun, mit Sprache zu handeln und es dann möglichst realistisch und auf unsere eigene Situation bezogen anwenden. So verspricht jeder Sprachkurs, ein Erfolg zu werden.

Wie ist das bei Ihnen? Können Sie bestätigen, dass Emotionen unser Lernen beeinflussen? Haben Sie Erfahrungen gemacht, die Sie teilen möchten? Wo haben Gefühle Ihr Lernen beflügelt oder gehemmt? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

J.G. Deutschlehrer

Ein Beitrag von Johannes G. – Deutschlehrer