Deutsche Wechselpräpositionen: unsere Tipps

Was sind Wechselpräpositionen?

Wechselpräpositionen

Wechselpräpositionen: Akkusativ oder Dativ?

Wenn man die deutsche Sprache mit anderen Sprachen vergleicht, dann fallen einem verschiedene Besonderheiten auf. Eine davon ist die große Menge an lokalen Präpositionen. Aus dieser Menge sticht wiederum eine besondere Gruppe heraus, die oft die Wechselpräpositionen genannt wird. Das sind in, auf, unter, vor, hinter, neben, zwischen, über und an. Sie heißen Wechselpräpositionen, weil sie den Kasus (auch Fall) „wechseln“ können.

Normalerweise stehen Präpositionen immer mit einem bestimmten Fall: z.B. für mit Akkusativ, zu mit Dativ oder anlässlich mit Genitiv. Manche Präpositionen können zudem je nach Stilebene (oft mündlich vs. schriftlich) wahlweise mit Dativ oder Genitiv stehen, wie zum Beispiel wegen. So würde – insbesondere Süden des deutschen Sprachraumes – ein Muttersprachler vermutlich sagen: Wegen dem Regen habe ich einen Schirm mitgenommen. In geschriebener Sprache würde man dagegen erwarten: Wegen des Regens nahm ich einen Schirm mit.

Wechselpräpositionen: Akkusativ oder Dativ? Unser Tipp

Bei den Wechselpräpositionen dagegen kann eine unterschiedliche Bedeutung ausgedrückt werden, wenn sie mit Akkusativ oder Dativ stehen. Das ist zwar oft eine Fehlerquelle für Deutschlerner, aber ist gleichzeitig auch sehr praktisch. Denn auf Deutsch kann man sich dadurch sehr präzise ausdrücken. So bedeutet beispielsweise „Ich fahre auf der Straße“ etwas Anderes als „Ich fahre auf die Straße“ und „Der Helikopter fliegt über dem Haus“ ist für die Bewohner viel unangenehmer als „Der Helikopter fliegt über das Haus“. Was ist nun der Unterschied? Die Sätze „Ich fahre auf der Straße“ und „Der Helikopter fliegt über dem Haus“ antworten auf die Frage „Wo?“. Hier steht die Wechselpräposition auf mit Dativ. „Ich fahre auf die Straße“ und „Der Helikopter fliegt über das Haus“ dagegen antworten auf die Frage „Wohin?“. Auf steht mit Akkusativ.

Oft wird die Verwendung von Akkusativ verkürzt so erklärt, dass es dabei um Bewegung geht. Aber wie das Beispiel „Ich fahre auf der Straße“ zeigt, kann das leicht zu Missverständnissen führen. Präziser wäre es, zu sagen, dass die Wechselpräpositionen in, auf, unter, vor, hinter, neben, zwischen, über und an mit Akkusativ stehen, wenn eine Grenzüberschreitung oder eine zielgerichtete Bewegung von A nach B ausgedrückt wird. Im Beispiel von „Ich fahre auf der Straße“ bleibe ich immer auf der Straße A und fahre nie an irgendeinen Ort B. Im Falle von „Ich fahre auf die Straße“ fahre ich aber von einem beliebigen Ort B (vielleicht ein Parkplatz) auf die Straße A.

Ein paar Übungen zu den Wechselpräpositionen

Samstagskurs

Lernen Sie die korrekte Verwendung der Wechselpräpositionen in einem unserer Deutsch-Samstagskurse im Tascla-Sprachcenter München

Eine einfache Übung zu den Wechselpräpositionen kann jeder sofort durchführen: Sehen Sie sich einfach einmal um und beschreiben Sie, was Sie sehen: Das Glas steht auf dem Tisch. Der Mülleimer steht neben dem Tisch. Der Kleiderständer steht zwischen zwei Stühlen. Die Tasche steht unter dem Tisch. Die Dame sitzt am Tisch. Die Heizung steht vor dem Fenster. Hinter der Pflanze ist ein Fenster. Und dann bewegen Sie etwas und beschreiben, was Sie tun: Ich stelle das Glas auf den Tisch. Ich stelle mich vor das Fenster. Ich schiebe den Stuhl an den Tisch.

Es hilft auch sehr, sich die Unterschiede zu visualisieren. Jeder kann leicht eine Straße zeichnen und ein Auto, das auf der Straße fährt und daneben eine Straße, einen Parkplatz und ein Auto, das vom Parkplatz auf die Straße fährt. Eine eher rezeptive Übung wäre eine Textanalyse: Man nimmt sich einen Text, in dem es um Orte oder um eine Reise – z.B. durch Deutschland – geht und markiert alle Wechselpräpositionen mit Dativ mit einem roten Textmarker und alle Wechselpräpositionen mit Akkusativ mit einem grünen Textmarker.

Sind oder waren die Wechselpräpositionen in, auf, unter, vor, hinter, neben, zwischen, über und an für Sie auch ein Lernproblem? Wie lösen Sie es oder wie haben Sie es gelöst? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

J.G. Deutschlehrer

Ein Beitrag von Johannes G. – Deutschlehrer